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REPORTS
 Dr. Uwe-Peter Weigmann
Dr. Uwe-Peter Weigmann

© Bild: Wafios
Interview

Kundenwünsche intelligent verzahnen
In Berlin geboren, am Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der TU Berlin bei Prof. Günter Spur promoviert, seit 11 Jahren aber in Baden-Württemberg lebend und seit der wire 2008 Technik-Vorstand bei Wafios, das ist in Kürze die Vita von Dr. Uwe-Peter Weigmann. Draht hat mit ihm über kurz-, mittel- und langfristige Aktivitäten des weltweiten Marktführers, der Wafios AG, gesprochen.

30.05.2008 - DRAHT: Von einem neuen Vorstand erwarten viele sicher nicht nur „Altbewährtes“ weiterzuführen, sondern auch den Blick nach vorne zu richten. Was können wir hier künftig von Ihnen erwarten?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Die Firma Wafios hat sich seit jeher als Innovationsführer im Bereich des Draht- und Rohrbiegens gesehen. Möchte man das fortsetzen, darf man nicht zu stark an Altbewährtem festhalten. Deshalb stellt sich die Frage: Wie kann man Innovation fördern? Wie kann man gleichzeitig in einem Unternehmen eine Kultur schaffen, die das fördert? Erfahrungen sind bei Wafios sicher genügend vorhanden. Allerdings muss man auch wissen, dass Erfahrungen hemmen können. Andererseits sollte man Gutes nicht ändern, wenn es nichts Besseres gibt. Für den Entwicklungsbereich bei Wafios geht es also darum, das Bessere zu finden. Ansätze, die vor fünf oder zehn Jahren nicht funktioniert haben, können heute unter den aktuellen Rahmenbedingungen plötzlich erfolgreich sein. So ist beispielsweise die Hardware um Größenordnungen leistungsfähiger, neue Werkstoffe eröffnen neue Anwendungsfelder oder verschieben die Grenzbereiche vorhandenerer Technologien. Das gilt auch für die Rahmenbedingungen unter denen unsere Kunden produzieren. Die Energieeffizienz ist derzeit in aller Munde und die Lieferzeiten werden ein immer wichtigeres Kriterium. Bewertungen, die Maschinenkosten während der gesamten Lebensdauer der Maschine mit einbeziehen (TCO-total cost of ownership) treten verstärkt in den Vordergrund.

DRAHT: Das bedeutet im Einzelnen bezogen auf die unterschiedlichen Bereiche?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Nun, zunächst geht es darum, innovativ zu sein. Hierzu müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wichtig ist hier ein Klima, das neuen Ideen gegenüber offen ist. Das dürfen dann auch Ideen sein, die nicht funktionieren, denn auch solche Erkenntnisse bringen uns weiter. Wir lernen daraus und entwickeln wieder neue Ideen. Wir müssen lernen, gute Ideen, die wir vor 1, 2, oder 5 Jahren umgesetzt haben, wieder in Frage zu stellen. Das heißt nicht, dass wir damals etwas falsch gemacht haben. Aber neue Rahmenbedingungen für uns und neue Betrachtungsweisen unserer Kunden erfordern ständig eine Veränderung unseres eigenen Standpunktes und daraus abgeleitet eine daran angepasste Veränderung unserer Produktion.

Ein weiterer Punkt ist der Schutz unserer Innovationen. Selten kann man neue Ideen in einer Maschine „quasi“ unsichtbar verstecken. Hier geht es für uns darum, unsere Ideen zu schützen aber auch zu wissen, wo unsere Wettbewerber stehen. Um am Ende nicht nur noch damit beschäftigt zu sein, die alten Patente unserer Wettbewerber mit großem Aufwand zu verwalten, bedarf es eines effektiven und übersichtlichen Patentmanagements, welches für alle Mitarbeiter einfach zugänglich ist.

Und zu guter Letzt ist es die Fertigung am Standort Deutschland. Die Firma Wafios bekennt sich klar zum Standort Deutschland. Nach der Einweihung eines neuen Logistikzentrums am Standort Reutlingen im Sommer dieses Jahres wird es in den kommenden zwei Jahren weitere wegweisende Schritte zum Standort Deutschland geben. So ist z. B. ein neues Fertigungszentrum für Reutlingen in Planung. Aber dieses Bekenntnis kann nicht nur an den Standorten der Fertigung und Montage fest gemacht werden. Auch Konstruktion und Entwicklung haben hier einen entscheidenden Einfluss. Sie schaffen die Rahmenbedingungen für den Standortvorteil. Nur eine enge Verzahnung zwischen der Konstruktion eines Teiles, dessen Fertigung und Montage kann bei Absicherung der sprichwörtlichen Wafios-Qualität die Fertigungskosten reduzieren. Hier gibt es viel zu tun. Gedanken wie „nur das Beste ist gut genug“ sind da fehl am Platz. Im internationalen Umfeld müssen wir durch die intelligente Verzahnung von Kundenwünschen, Konstruktion, Fertigung und Montage Produkte „Made in Germany“ entwickeln, die ihren Preis wert sind.

DRAHT: Wie nahe sind bzw. können Sie als Vorstand denn dem Kunden sein?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Man muss vor Ort sein, das gilt auch für mich. Und Sie können sicher sein, das wird so sein. Die ersten Termine hatte ich bereits, denn Gespräche mit dem Kunden nach dem tatsächlichen Bedarf sind sehr wichtig. Um diese Kontakte werde ich mich sehr intensiv kümmern.

DRAHT: Sie kommen aus der Branche der Zerspanung. Sehen Sie hier Analogien?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Das ist richtig. Mein Schwerpunkt bei der Zerspanung war bei der Bearbeitung tribologisch beanspruchter Werkstücke. Obwohl die Maschinen völlig andere Anforderungen erfüllen, sind die Technologien vergleichbar. Mechanische Komponenten wie z. B. Getriebe, Antriebe und Steuerungssysteme kommen von den gleichen Zulieferern. Interessanter weise ist das Umfeld im nationalen und internationalen Wettbewerb damit sogar vergleichbar. Der Erfolg im Bereich der spanenden Bearbeitungsmaschinen aber auch im Bereich der Feder- und Biegemaschinen kann nicht durch den Bau von Billigmaschinen erreicht werden. Es geht viel mehr darum, High-Tech-Produkte zu entwickeln und anzubieten. Diese Entwicklung kann heute kein Maschinenbauer alleine erfolgreich bewältigen. Hier sind Kontakte zu Kunden, Endkunden, Lieferanten und Systempartnern aber auch zu Forschungseinrichtungen notwenig. In Kooperationen können Lösungsansätze für die Zukunft entwickelt werden. Meine Erfahrungen aus dem Bereich der spanenden Bearbeitungsmaschinen zeigen, dass trotz verschiedener Ziele und Ausrichtungen der beteiligten Kooperationspartner die gemeinsame Arbeit für jeden mehr Nutzen bringt als die separate, entkoppelte Entwicklung jeder Firma für sich. Auch hier unterscheidet sich die Drahtbranche nicht von der Branche der Bearbeitungsmaschinen.

DRAHT: Inwieweit hat das Einfluss auf die Entwicklung sowie die nationale und internationale Ausrichtung von Wafios?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Zirka 70 Prozent der neuen Wafios Maschinen werden exportiert. Wafios hat 71 ausländische Vertreter. Sie sehen, wir sind international aufgestellt. Vor diesem Hintergrund wird auch systematisches Global Sourcing betrieben. Produktion und Entwicklung dürfen sich nicht nur an unseren europäischen Kunden orientieren. Hier müssen wir auch unsere weltweiten Kunden wieder finden.

DRAHT: Ein Trend hin zu Low-Cost war auf der wire 2008 erkennbar. Wie werden Sie damit umgehen?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Zunächst darf man Low-Cost nicht mit billig verwechseln. Wir werden uns sicher nicht dem Wettbewerb von Billiganbietern stellen. Die Frage nach einer Low-Cost Maschine ist aber wichtig. Mit der auf der wire vorgestellten FMK-Baureihe für die Fertigung von Schenkelfedern wurde hier ein erster Schritt getan. Die Resonanz auf dieses neue Konzept war und ist hervorragend. Es gibt Kunden, welche die viel zitierte „Eierlegende Wollmilchsau“ im Produktionsprogramm von Wafios suchen. Andere dagegen nutzen nur einige der möglichen Funktionalitäten. Modularität und Skalierbarkeit sind da deshalb für die Zukunft ein wichtiges Thema.

DRAHT: Welche Tendenzen sehen Sie hier mittel- und langfristig?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Gegenwärtig laufen Analysen um verschiedene Ansätze für Low-Cost Maschinen zu bewerten. Hieraus werden die nächsten Schritte abgeleitet.

DRAHT: Maschinen von Wafios wurden ganz aktuell hinsichtlich des Designs überarbeitet. Was halten Sie davon und welchen Stellenwert räumen Sie dem Industriedesign ein?

DR. UWE-PETER WEIGMANN: Auch wenn wir unsere Kaufentscheidungen nicht direkt vom Design abhängig machen möchten, werden sie davon beeinflusst. Jeder von uns hat im privaten Umfeld sicher schon mal eine Entscheidung für ein technisches Gerät aus Designgründen getroffen und dann im Nachhinein darüber nachgedacht, ob diese Entscheidung aus technischer Sicht richtig war. Kurzum: Design ist wichtig, wenn nicht als Kaufkriterium dann in jedem Fall für die Identifikation mit den Produkten. Wafios Maschinen sollten anhand ihres Designs erkennbar sein, wenigstens so lange, bis unsere Wettbewerber dieses Design übernommen haben und wir wieder einen Schritt weiter sind. Das Design darf jedoch kein alleiniges Kriterium sein. Werden technische Funktionalitäten durch das Design eingegrenzt oder steigen die Kosten durch aufwändige Designelemente, sind wir auf dem falschen Weg, Hier ist ein guter Kompromiss zwischen Technik, Optik und Kosten notwendig. Ich denke, Wafios hat bezogen auf die Optik aber auch auf den beschriebenen Kompromiss mit dem gerade auf der wire 2008 vorgestellten Design einen neuen Maßstab gesetzt.



Firmeninfo:
Wafios AG
Silberburgstraße 5
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Tel.: +49 7121 146-0
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E-Mail: sales (at) wafios.de
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