UMFORMtechnik (Blech)

 
 
   

TECHNIK / ROHRBIEGEN

Experten-Workshop Biegen

Beim Biegen von Rohren und Profilen sind viele Fragen offen. Zukünftig will sich ein Expertenkreis regelmäßig in Siegen treffen, um das Thema zielgerichtet und systematisch aufzubereiten und Entwicklungsideen zu kreieren.

Unter dem Motto „Biegen in Siegen“ veranstaltet der Lehrstuhl für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen an der Universität Siegen regelmäßig Veranstaltungen zum Rohr- und Profilbiegen. Aus der Erstveranstaltung im Jahr 2008 in Form eines Tages der offenen Tür und eines Grundlagenseminars, wurde die Idee eines Expertenworkshops entwickelt, der jetzt Ende März stattfand. Wie wichtig eine solche Veranstaltung werden könnte, konnten die Teilnehmer unter der Leitung von Prof. Bernd Engel, Leiter des Lehrstuhls für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen, angesichts der schnell erkannten offenen Fragen beim Rohr- und Profilbiegen bestätigen.
In Kurzreferaten hatten sich die Experten aus dem Kreis der Biegemaschinenhersteller, aus Unternehmen des produzierenden Gewerbes und der Universitäten zum Erfahrungsaustausch in verschiedene Fragestellungen eingearbeitet, die Themen diskutiert und zur Formulierung von Aufgabenstellungen oder Entwicklungsrichtungen genutzt.
lm Eröffnungsreferat thematisierte Professor Engel Fragestellungen wie: Wie groß sind die jeweiligen Einflüsse der steuerbaren Prozessgrößen beim Rotationszugbiegen? Können zur Einstellung allgemein gültige Vorschriften formuliert werden? Sind die Benennungen von Biegewerkzeugen und von Prozessgrößen eindeutig?

Offene Fragen vom Halbzeug bis zur Qualitätssicherung

Aus weiteren Vorträgen wurden aktuelle Themen abgeleitet. Wesentlich für die Reproduzierbarkeit von Biegebauteilen ist beispielsweise die Konstanz der Halbzeugeigenschaften. Es ist bekannt, dass bereits kleine Schwankungen der Werkstoffkennwerte oder Geometrien der Halbzeuge zu erheblichen Variationen der End-Geometrien führen. Diese Abweichungen werfen weitere Fragestellungen auf. Wie bewertet man Abweichungen der End-Geometrie? Meist existiert ein Muster-Bauteil, welches identisch im Serienprozess produziert werden soll. Herstellungsbedingt treten aber immer Abweichungen auf. Was ist dann ein Gut- oder Ausschussteil? Können die wesentlichen Geometrieeigenschaften von Biegeteilen mit den derzeitig eingesetzten Messverfahren überhaupt ermittelt werden? Sind die Mitarbeiter, die die Biegeteile konstruieren, ausreichend informiert über die Schwierigkeiten der Serienproduktion von gebogenen Profilen oder sollten Konstruktionsrichtlinien erarbeitet werden?
Aus den Diskussionen heraus wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet. Eine Gruppe bearbeitet die Definition von „Biegeanforderungen“ (Kosten, Qualität/Toleranzen und Bauteilespektrum). Die zweite Gruppe soll Vorschläge zur einheitlichen Nomenklatur erstellen, also die Definitionen zu Maschinen, Werkzeuge und Umformvorgang.

Regelmäßige Treffen

Die Ergebnisse werden beim nächsten Treffen im Herbst diskutiert. Drei Treffen pro Jahr hat die Expertengruppe geplant, dann in Verbindung mit einem Seminar zu den „Grundlagen des Biegens“. Diese Veranstaltung ist sowohl für Einsteiger als auch zur Vertiefung für praxiserfahrene Biegeanwender geeignet.
Zu den Workshops sind Fachleute eingeladen, die am Erfahrungsaustausch führender Wissenschaftler mit Anwendern und Maschinenbauern im Bereich Rohr- und Profilbiegen interessiert sind. Nach dem ersten Workshop, der in erster Linie dem Kennenlernen der Teilnehmer und zur Definition von Handlungsfeldern diente, darf man auf weitere Anregungen aus Siegen gespannt sein.

Universität Siegen
Lehrstuhl für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen
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