DRAHT

 
 
   

Wafios-Entwicklern über die Schulter geschaut

Im Mai hatte Wafios zur zwölften Hausmesse eingeladen. Die Ausstellung findet in den Jahren zwischen der Branchenleitmesse „wire“ statt unter dem Dach der Wuppertaler Konzerntochter. Verschiedene Entwicklungsprojekte sollten zeigen, wohin die Reise geht beim Umformen von Langgut.

Fünf Unternehmen der Gruppe zeigten ihre Highlights: neben der Muttergesellschaft Wafios AG und Gastgeber Wafios Umformtechnik auch die Wafios Tube Automation, Witels-Albert und EWMenn. Mit eigenen Ständen vertreten waren zudem zwölf Partnerunternehmen und die Universität Siegen. 27 Maschinen waren in Aktion. Draht- und Rohrbearbeitung waren erstmals auf zwei Hallen aufgeteilt worden in „Wire World“ und „Tube World“. Mit 1400 m² war die Standfläche größer als bei allen vorangegangenen Hausausstellungen der Gruppe.

Fachvorträge hatten in den vergangenen Jahren wachsendes Interesse gefunden. Daher war das Angebot dieses Jahr erweitert worden. Es gab Referate zu Digitalisierung, Industrie 4.0/Smart Factory und E-Mobilität. Im Fokus stand die Steigerung der Produktivität, zum Beispiel durch neue Maschinenkonzepte oder das so genannte „Cyberrüsten“. Letzteres ist der Titel eines Projekts der Universität Siegen, dessen Ziel ist, Rüstzeiten zu kürzen.

Wafios-Vorstandssprecher Uwe-Peter Weigmann zog positive Bilanz: „Unsere vergrößerte Hausmesse war ein voller Erfolg. Das zeigen die erneut gestiegene Teilnehmerzahl und die vielen Fachgespräche, die wir führten. Damit wurde wieder sichtbar, wie wichtig die Veranstaltung gerade für diese Region ist, in der die Draht- und Rohrumformung auf eine langjährige Tradition zurückblickt.“ 

Einblicke in Entwicklungsprojekte

Mit der Präsentation einiger Entwicklungsprojekte ließ sich das Unternehmen über die Schulter schauen. Die Lösungen sind noch nicht am Markt verfügbar. Sie zeigen aber, wohin die Reise gehen dürfte. Eines ist die Druckfeder-Windemaschine „F2 4 speed“. Deren Hochgeschwindigkeits-Drahtzuführung mit einem zum Patent angemeldeten Haspelsystem soll sie mit bis zu 600 m/min zur schnellsten Maschine ihrer Art machen.

Für die CNC-Schenkelfedermaschine „FTU 2.5“ entwickelten die Konstrukteure die Abisoliereinrichtung „FSA 2.5“ für Spulen aus Kupferlackdraht, so wie sie die Automobil- und Elektroindustrie einsetzen. Die Einrichtung erzeugt Anfangs- und Endschenkel, die blank sind, so dass sie später verlötet werden können. Die Ausbringungsleistung dieser Vorrichtung sei bislang unerreicht, betont Wafios. Programmierbar sind sowohl die Messerkopf-Drehzahl bis 35 000 min-1 und die Zustellung der Abisoliermesser. Dies ermöglicht eine exakte Einstellung des Lack- beziehungsweise Kupferabtrags. Die zum Programmiersystem „WPS 3.2 Easy Cam“ gehörende gemeinsame Steueroberfläche für Spulen-Wickelmaschine und Abisoliereinrichtung macht die Bedienung einfach. Ein optimiertes Werkzeugkonzept mit Wendeschneidplatten mit Diamantbeschichtung kappt die Rüstzeiten. 

Ein anderes Entwicklungsprojekt ist das Geradheits-Messsystem „IQ m-straight“. Es arbeitet mit einem servomotorisch verstellbaren Richtflügel für Rundmaterial von 2 mm bis 12 mm Durchmesser. Eine Kamera überwacht die Richtqualität des rollenden Stabs, wobei eine 360-Grad-Abtastung vorgenommen wird, und zwar „in-process“.

Winde- und Drahtbiegemaschinen

Bei den Druckfeder-Windemaschinen stellte Wafios drei Neuheiten vor: die „F30“, „FUL 16“ mit neuer Haspel sowie die „FUL 166“. Die F30 ist eine auf Flexibilität getrimmte Weiterentwicklung der „Eco Coiler“-Baureihe mit höherer Performance und erweitertem Einsatzbereich. Die Maschine hat das neue Programmiersystem „FPS 1.2“ an Bord, ist für größere Feder-Außendurchmesser ausgelegt und einfach von rechts auf links umrüstbar. Darüber hinaus ist die Einzugsgeschwindigkeit weiter erhöht. Für die FUL 16 wurde die Highspeedhaspel „AHT 1 HS“ entwickelt mit 150 kg Tragfähigkeit und höherem Einzugstempo. Motor und Umrichter erhielten höhere Leistungsdaten. Mit der modularen Druckfedermaschine FUL 166 bringt Wafios ein Maschinenkonzept auf den Markt, das sich mit verschiedenen Ausstattungsvarianten an die Bedürfnisse des Anwenders anpassen lässt. Abgesehen vom Dornspannen ist die Maschine frei von Hydraulikkomponenten und insoweit wartungsfreundlich. Zudem reduziert ein verbessertes Werkzeugkonzept die Rüstzeiten, zum Beispiel bei den Einzugswalzen.

Im Bereich Drahtbiegen gab es eine Weltpremiere: die modular erweiterbare und damit flexible Highspeed-Einkopf-Drahtbiegemaschine „BM 36“. Der Fokus liegt auf großen Stückzahlen und hohen Qualitätsansprüchen. Eine neu konstruierte servomotorisch verfahrbare Einzugs- und Richteinheit erlaubt die Herstellung eines großen Spektrums an Biegeteilen, beispielsweise für Automobilzuliefer- und die Möbel-, Elektro- oder Spielwarenindustrie.

Mit der Steuerung „WPS 3.2 Easy Way“ verfügt der Anwender über eine intuitive Bedienoberfläche. Daneben steht eine Reihe von IQ-Funktionen bereit, wlche die Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit weiter steigern sollen. „IQ smartbend“ zur Schwingungsreduzierung gibt es mit einer Fünfjahreslizenz als Bonus. „Die Maschine stellt nicht nur einen Fortschritt gegenüber den Vorgängertypen dar, sondern sie begründet auch einen neuen Designstandard für künftige Entwicklungen“, sagt Wafios-Sprecher Weigmann.

Bei den Zweikopf-Drahtbiegemaschinen repräsentiert die „BMS 36“ die neueste Generation. Sie hat eine CNC-gesteuerte Drehzange mit großem Biegefreiraum und ist mit servomotorischer Antriebstechnik und einem rotierenden Richtsystem ausgestattet. Ein neuer Drahteinleger und eine Einrichtung zur Überwachung der Achspositionen, beide CNC-gesteuert, sorgen für Prozesssicherheit. IQ bend und IQ smartbend reduzieren die Einrichtezeit. Die Möglichkeit, Step- und Iges-Dateien einzulesen, erlaubt eine schnelle Programmierung. Die BMS 36 ist für symmetrische Biegeteile bis 4000 mm Länge ausgelegt, zum Beispiel für Sitzstrukturen in der Automobilindustrie oder für Rahmenteile, wie sie bei der Herstellung von weißer Ware vorkommen.

Rohrhandling und Rohrbiegen

Eine immer wichtigere Rolle für Wafios spielt das Rohrbiegen. Daher wurde auf der Hausmesse erstmals eine ganze Halle allein für dieses Thema reserviert. Zum Maschinenensemble gehörte eine „BMZ 8“-Rohrbiegemaschine für Bremsleitungen. Die Besonderheit war das neue automatische System für die Maschinenbeladung, „RVS 1“, eine weitere Weltneuheit. Dabei handelt es sich um ein Magazin für vorkonfektionierte Rohrbündel mit eigener speicherprogrammierbarer Steuerung, das mittels Greifern und Sensoren die Rohre und Bremsleitungen automatisch vereinzelt. Rohre von 4 mm bis 15 mm Durchmesser können auch mit Verschraubungen oder Flexanteilen bestückt sein. Das Transportband des Systems trägt bis zu 500 Bremsleitungen von 400 mm bis 2000 mm Länge. Manuelles Maschinenbeladen ist nicht mehr notwendig. 

Mehrere „Twister²“-Fertigungszellen demonstrierten, was in der Automation der Rohrumformung mittlerweile möglich ist. Besonderheit war die Integration eines Roboters. Das Programmiersystem WPS 3.2 Easy Way bietet für beide Anlagenteile – Umformeinheit und Roboter – eine gemeinsame Bedienoberfläche, wodurch ein intelligentes Zusammenspiel von Biegen und Handhaben möglich wird. Dank dieser Kombination ist keine spezielle Robotersoftware notwendig. Das Konzept erlaubt die flexible Herstellung dreidimensionaler Geometrien bei hoher Prozesssicherheit, einfacher Bedienung und hoher Produktivität. Basierend auf diesem Konzept war unter anderem eine Wafios-Tube-Automation-Zelle für Hydraulikleitungen zu sehen. Im Einsatz waren ein Einrichtungsbiegekopf für Rohrdurchmesser von bis 20 mm sowie eine Enden-Umformmaschine Typ „RU 18“. Zudem zeigte Wafios Systeme mit Biegeköpfen für Hydraulik-, Klima- oder Bremsleitungen mit entsprechenden Werkzeugsätzen.

Mit „Twister² Twins“ stellte die Gruppe eine Lösung mit zwei gekoppelten Twister²-Systemen vor. Damit lassen sich zeitgleich rechts- und linksseitige Teile fertigen, so wie sie im Fahrzeugbau häufig vorkommen. Die beiden getrennt arbeitenden Biegesysteme verdoppeln den Output.

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