UMFORMtechnik (Blech)

 
 
   

FEINSCHNEIDEN / RETROFIT

Feinschneid-Sache

Die Malucha Stanzautomaten GmbH und die Schweizer Pneutronic AG werden zukünftig gemeinsam Feinschneidmaschinen wieder fit machen. Das Projekt ist langfristig angelegt, schon heute baut Malucha ein Netzwerk für die zukünftige Ersatzteilversorgung auf.

Die Feinschneidtechnik hat sich seit ihrer Erfindung in den 1960er Jahren bei der Herstellung von Präzisionsteilen etabliert. Weltweit sind tausende Maschinen im Einsatz, von denen einige der frühen Modelle 40 000 und mehr Betriebsstunden abgeleistet haben und noch immer im täglichen Einsatz sind. Viele dieser Maschinen sind demnach reif für eine Überholung. Da allerdings wird der Markt der Retrofit-Dienstleister vom marktführenden Hersteller von Feinschneidmaschinen beherrscht.
Ein Grund für Axel Malucha von der Malucha Stanzautomaten Vertrieb und Service GmbH, und Erwin Noll, Gründer und Geschäftsführer der Pneutronic AG, sich diesem Markt gemeinsam anzunehmen. Denn einige Erfahrung mit der elektronischen Revision der „damals für die Ewigkeit gebauten Pressen von Osterwalder“ kann die Pneutronic AG bereits aufweisen. Weit über 50 Maschinen der Gelenkkniehebelpressen GKP mit Presskräften zwischen 50 t und 250 t hat die Pneutronic AG bereits elektronisch überholt. Zudem war Pneutronic jahrelang Lieferant von Feintool, bevor die Revisions- Abteilung in Lyss ende 2009 geschlossen wurde. Know-how, das sich ideal mit den vielfältigen Erfahrungen von Malucha in der mechanischen Überarbeitung von Pressen verschiedener Marken und Baureihen ergänzt. Nicht ohne Grund hat die Schweizer Victorinox beide Unternehmen für die Revision eines Raster Stanzautomaten engagiert und damit indirekt die Zusammenarbeit angestoßen. Victorinox setzt bei seinen Pressen auf Steuerungstechnik von Pneutronic, auch bei den fünfzehn Feinschneidpressen, die Pneutronic dort bereits elektronisch überholt hat.


Das Geschäft läuft an

Zwei Osterwalder GKP Feinschneidpressen stehen bereits in der Werkhalle bei Malucha in Brackenheim, zerlegt in Einzelteile. Alle Einzelteile werden derzeit vermessen, aufgenommen und in CAD nachgezeichnet. Die Daten braucht Axel Malucha, um Partner für ein Lieferantennetzwerk zu organisieren, mit dem dauerhaft die Ersatzteilversorgung und der Service für generalüberholte Feinschneidmaschinen sichergestellt werden kann. „Man kann den Kunden nicht zumuten, bei uns überholen zu lassen und dann Ersatzteile beim Originalhersteller zu ordern“ sagt dazu Malucha. Und das zeigt, dass er und Erwin Noll das neue Geschäftsfeld sehr systematisch angehen. Die beiden Unternehmen mit zusammen rund 22 Beschäftigten treten in allen Angelegenheiten um Revision und Instandhaltung von Feinschneidpressen gemeinsam als eine Art Projektfirma auf. Dabei will man sich zunächst auf die Baureihen der sogenannten GKP–Gelenkkniehebelpressen von Osterwalder im Presskraftbereich bis 250 t beschränken. Diese Maschinen aber sollen nach der mechanischen Generalüberholung und dem Einbau einer neuen schnellen Steuerung und Zuführaggregaten deutlich schneller sein als die Originalmaschinen. Und die für eine Präzisionsfertigung notwendige Steifigkeit des Rahmens haben die Gussgestelle in ihrem jahrelangen Einsatz bereits nachgewiesen.


Kernstück ist die Geschwindigkeit der Steuerung

Die Feinschneidtechnik speziell auf den GKP-Pressen ist nicht ohne, wie Axel Malucha aus einigen im Markt bekannten Versuchen eines Retrofittings weiß. Einige dieser Generalüberholungen, sagt man im Markt, hätten auf Dauer nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Entsprechend hat sich Malucha zusätzlich zum Steuerungsspezialisten Pneutronic auch noch der Beratung durch in der Mechanik der Feinschneidpressen bewanderten Spezialisten versichert.
Denn Feinschneiden ist ein spezielles Fertigungsverfahren, bei dem auch den Maschinen einige Besonderheiten abverlangt werden. Im Gegensatz zum Stanzen wird beim Feinschneiden das Band vor dem Schneiden nicht nur außerhalb der Schnittfläche vom Niederhalter geklemmt, sondern einerseits zwischen Matrize und einer der Schneidkontur folgenden Ringzacke und andererseits zwischen Stempel und Gegenstempel festgehalten. Zum Schneiden werden Stempel und der von unten wirkende Gegenstempel synchron bewegt, so dass mit einem extrem engen Schnittspalt sehr ebene Schnitte mit einem Glattschnittanteil von bis zu 100 Prozent erreicht werden. Zudem können mit dem Verfahren Umformungen oder Prägungen vorgenommen werden. Feinschneiden benötigt im Gegensatz zum herkömmlichen Stanzen allerdings eine dreifachwirkende Presse, die eine sehr hohe Führungsgenauigkeit des Stößels und einen steifen Pressenrahmen aufweisen muss.
Bei den GKP-Pressen wird die von unten wirkende Kraft und Bewegung über einen Gelenkkniehebel erzeugt, für die beiden oberen Kräfte und Bewegungen ist eine Hydraulik zuständig. „In der Einstellung des unteren Gelenkkniehebels liegt die Kunst und das Know-how, sagt Axel Malucha. „Dazu braucht es Erfahrung und Fingerspitzengefühl – und erfahrene Berater die sich mit den Maschinen auskennen.“ Der Rest ist vor allem Erfahrungssache, denn Lager- und Lagersitze, Laschen und dergleichen zu erneuern, das gehört für Malucha seit 1992 zum Hauptgeschäft.
„Herzstück der Maschine ist die Geschwindigkeit im Bereich der Bruchsicherung“ sagt Erwin Noll von der Pneutronic AG. „Beim Feinschneiden muss die Steuerung sehr schnell reagieren können. Nach dem Erkennen der Werkzeugbruchsicherung (doppelte Materialdicke) bleibt ein Anhalteweg für den Stössel von etwa 6 mm. Hat der Stössel eine Hubzahl von 80 Hüben/min, lässt sich die Geschwindigkeit erahnen, welche die Steuerung „konstant“ haben muss, damit der Stössel nicht durchschneidet. Das wäre nämlich das Aus für das Werkzeug.
„Deshalb ist die konstante Geschwindigkeit das Maß aller Dinge in einer solchen Maschine. Mit unserer Steuerung bewegen wir uns im Bereich < 0,20 Millisekunden.“ Und damit deutlich schneller als herkömmliche Steuerungen.
Zusammen mit der Biviator AG, ein Schweizer Hersteller elektronischer Steuerungssysteme, hat Pneutronic vor Jahren entsprechend schnelle Steuerungskomponenten entwickelt. „Diese Komponenten werden jetzt in der zweiten, teilweise schon in der dritten Generation für Feinschneidpressen zugeschnitten und eingesetzt. Diese Standardkomponenten wie beispielsweise ein Nockenschaltwerk seien zwar am Markt verfügbar, aber man brauche das entsprechende Wissen um sie richtig einzusetzen. Die Revision der Steuerungen kommt dabei einem Neubau gleich. Wie Noll erläutert hat eine alte Steuerung nämlich kein Programmspeicher für Werkzeugdaten abzuspeichern, somit braucht es enorme Erfahrung zum wechseln eines Werkzeuges, die Maschineneinstellungen müssen „immer wieder neu erfunden werden“ oder man hat sich die Einstellungen im „schwarzen Buch“ aufgeschrieben. Die alten Maschinen haben Kurvenscheiben für die Steuerung der Ventile. Die genauen Feineinstellungen werden durch verschiedene Potentiometer gemacht, damit die Ventile früher oder später zugeschaltet werden, um die hydraulischen Bewegungen zu steuern. Das wird alles durch die elektronischen Steuerungskomponenten ersetzt und lässt sich dann präzise in Millimeter vor OT oder nach OT programmieren. Die so programmierten Werkzeugeinstellungen können in der Steuerung Werkzeugspezifisch abgespeichert werden. Bei einem Werkzeugwechsel, wird das entsprechende Werkzeugprogramm aus dem Speicher geholt, und alle abgespeicherten Werkzeugeinstellungen werden von der Steuerung übernommen. Mit den ersten beiden Maschinen werden Malucha und Pneutronic demonstrieren, was mit den alten Maschinen noch geht. Eine der beiden Pressen, eine 160 t GKP-Presse wird derzeit für die BlechExpo in Stuttgart aufgearbeitet. „Und die Maschine wird schneller sein als früher und bis zu 75 Hub/min erreichen“, sagt Malucha.
Das Interesse an Überholungen der weit mehr als 1000 weltweit eingesetzten GKP- Maschinen sei erstaunlich groß, zumal bisher kaum Werbung dafür gemacht worden sei. Zum Ablauf der Generalüberholungen erläutert Malucha noch, dass die Maschinen bei ihm in Brackenheim zerlegt und mechanisch aufgearbeitet werden. Er beschafft alle mechanischen Ersatzteile. Kontakte zu Firmen, die beispielsweise ein 20 m-Bohrwerk oder hochpräzise Dreh und Fräsmaschinen einsetzen, bestehen bereits. Nach der mechanischen Überholung kommen die Fachleute von Pneutronic hinzu, um die elektrische Ausstattung, die Elektronik und die Steuerung zu installieren. An der Inbetriebnahme sind dann beide Unternehmen beteiligt. Die Überholung in Deutschland hat dabei den Vorteil, dass alle Zollformalitäten, die bei der Montage in der Schweiz notwendig würden, innerhalb der EU entfallen. Die Maschinen entsprechen, das garantiert Malucha, nach der Überholung den EN Normen und damit der Maschinenrichtlinie.
Sie sind für einen Preis zwischen 50 und 60 Prozent des Preises einer Neumaschine ein gutes Geschäft. „Wobei, nach einer Generalüberholung reden wir hier von Neumaschinen“, sagt dazu Erwin Noll.
Eine „Generalüberholte“ 160 t-Maschine, zeigen die Unternehmen auf der BlechExpo in Stuttgart.
Volker Albrecht


Pneutronic AG

Das Unternehmen in Horriwil mit rund 10 Mitarbeitern besteht seit 20 Jahren und hat sich auf Steuerungen und Automation spezialisiert. Das Unternehmen hat zusammen mit Biviator sehr schnelle Steuerungskomponenten entwickelt, die erfolgreich in Feinschneidpressen eingesetzt werden können.
Pneutronic bietet im Bereich Pressenzubehör ein Messrad zur Erfassung der Vorschublänge, schnelle Räumer zum ausbringen von Teilen aus der Maschine, sowie Nachrüstungskits für Vorschub- Steuerungen welche an allen Pressen angebaut werden können, an.
Pneutronic hat bis heute mehr als 50 Feinschneidpressen und einige SMG Pressen im Bereich Steuerungsumbauten durchgeführt.
Pneutronic übernimmt aber auch die elektronische Überholung anderer
Pressenfabrikate. (Raster, Haulick, Beutler)


Malucha Stanzautomaten Vertrieb und Service GmbH

Das 1992 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit 12 Mitarbeiter. Das Unternehmen war in der Anfangszeit auf die Überholung von Pressen und Stanzautomaten der Firma Raster spezialisiert, bearbeitet mittlerweile aber nahezu alle Pressenfabrikate und hat das Tätigkeitsfeld mittlerweile auch auf Bandanlagen erweitert. Malucha arbeitet bei den Revisionen eng mit Partnern zusammen.

Malucha Stanzautomaten Vertrieb und Service GmbH
D-74336 Brackenheim-Meimsheim
Tel.: +49 7135 93191-0
Internet: www.malucha-stanzautomaten.de
Pneutronic AG Pressenumbauten & Automation
CH-4557 Horriwil
Tel. +41 32 6132727
Internet: www. pneutronic.ch