DRAHT

 
 
   

Vom Einzelteil bis zur kompletten Linie

Kurre entwickelt und liefert Lösungen für fast alle Branchen. Kerngeschäft sind Maschinen für die Produktion und Verarbeitung von Kabel. Hier ist die Gruppe Innovationstreiber. Das Konzept scheint zu greifen. Seit den 1980er Jahren wächst das Unternehmen kaum berührt von Krisen.

„Wir bauen alles, was man selber herstellen kann“, sagt Stefan Plaggenborg. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Kurre-Gruppe. Sie besteht aus den eigenständigen Unternehmen Kurre Spezialmaschinenbau, Siebe Engineering, Kutec und Kurre Tooling. Gemeinsamer Betriebsgegenstand sind die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Maschinen für – und rund um die – Kabelproduktion, ferner die Elektrotechnik und auch Lohnbearbeitung von Stahl- und Blechteilen. Mit anderen Worten: Im Außen- wie im Innenverhältnis ist alles parat, was zur Fertigung gebraucht wird. Die Wertschöpfung liegt bei mechanischen Komponenten um die 90 %. Konstruktionsteile werden selber hergestellt, Halbzeuge wie Platten, Bleche, Profile sowie C-Teile im Hause vorgehalten. Das schafft Freiheit und kurze Lieferfristen.

1979 hatten Reinhold und Elisabeth Kurre das Unternehmen im niedersächsischen Harkebrügge unter dem Namen „Metall- und Maschinenbau Kurre“ aufgebaut. Bereits drei Jahre später wurde ins benachbarte Industriegebiet Ramsloh gewechselt, 1986 dann der „Spezialmaschinenbau Kurre“ gegründet. Das Geschäft entwickelte sich gut: 1989, 1997, 2001 und 2007 wurden weitere Fertigungs- und Bürogebäude erstellt. Und nach den Platzhirschen in der Draht- und Kabelherstellung – Rosendahl, Niehoff oder Troester – gehörte Kurre bereits Ende des ersten 2000er-Jahrzehnts zum soliden Mittelfeld. 90 Mitarbeiter sorgten auf 5000 m² Produktionsfläche für rund 9 Mio. Euro Umsatz.

2009 war Plaggenborg ins Unternehmen eingetreten. Nach fünf Jahren Einarbeitung durch die Firmengründer hatten er und seine Frau Silke die Gruppe als Nachfolger übernommen. Seitdem geht’s weiter bergauf mit den Zahlen: 2014 hatte die Gruppe 140 Beschäftigte, 6000 m² Fläche und 13 Mio. Faktura, 2017 bereits 180 Mitarbeiter, knapp 8000 m² und 24 Mio. Umsatz. Anfang 2018 kam Siebe Engineering in Neustadt/Wied hinzu. Das Unternehmen ist ein führender Maschinenbauer für die Kunststoffverarbeitung und entwickelt in erster Line Extrusionsanlagen. Siebe ergänze wunderbar das Portfolio, freut sich Stefan Plaggenborg. Sein Firmenverbund hat heute – Ende 2019 – über 220 Mitarbeiter, 10 000 m² Produktionsfläche und bedient 500 Kunden weltweit.

Bis zu 90 % Fertigungstiefe

Sein Unternehmen zeichne aus, dass letztlich hinter jeder Schraube ein Mitarbeiter stehe. Der Kundennutzen daraus seien maßgefertigte Lösungen, und eben nichts von der Stange. Aus dem Speziellen – so genannten „customised products“ – werden teils Serien abgeleitet, die meist günstiger und besser seien als chinesische Erzeugnisse. Beispiele sind:
– Schaumextruder
– Umwickelanlagen
– Bandierer
Das Know-how der Kunden ist uns dabei heilig: Was zusammen entwickelt wurde, bleibt exklusiv“, stellt der Geschäftsführer heraus.

Die Gruppe ist nicht festgelegt auf allein eine Branche. Die Kunden finden sich zu rund 
– 40 % in der Automobilbranche nebst Zulieferern,
– 30 % der Herstellung von Kabeln unterhalb Mittelspannung,
– 20 % Produktion von Kabel für die Datenübertragung/Lichtwellenleiter,
– 10 % in Medizintechnik und Luftfahrtindustrie.
Allein 2019 hat Kurre zwölf Extrusionsanlagen gebaut. Das sind doppelt so viele wie 2018.

Wohin sich das Unternehmen entwickeln soll? Als Kaufmann rechnet Plaggenborg für die kommenden fünf Jahre mit 30 % Wachstum. Maßgeblich sei, dass dabei das Verhältnis von Umsatz zu Deckungsbeitrag stimme.

Und aus technische Sicht? Als Grundsatz gelte: Beweglich und neugierig zu bleiben, nach vorn und auch zur Seite schauen. Schließlich könne niemand wissen, wohin die Wirtschaft – und hier insbesondere die Automobilbranche – tendiert: E-Mobilität? Kfz mit Verbrennung von fossilem Sprit respektive Wasserstoff? Brennstoffzelle? Das sei im Grunde egal. Die Kurre-Gruppe wäre immer dabei. 

Plaggenborg ist von Haus aus Energieelektroniker. Er hat als junger Mensch gelernt bei einem Unternehmen, das heute zu Leoni gehört. Seitdem hat er die Draht- und Kabelbranche – abgesehen von einem mehrjährigen Ausflug in die Luftfahrtindustrie – nicht verlassen. Er ist technikgetrieben, gedanklich stets im Orbit um Lösungsmöglichkeiten. Seine Unternehmensgruppe sieht er als Lieferanten, der für seine Kunden vom Einzelteil bis zur kompletten Fertigungslinie  alles möglich macht. Das reklamieren auch andere Betriebe für sich. Was macht Kurre insoweit besser? „Wir bleiben so lange am Projekt, bis es läuft“, betont Plaggenborg. Und für diejenigen, denen dies vielleicht zu schlicht klingt, setzt er noch einmal nach: „Kurre macht das Anliegen des Kunden zu seinem eigenen.“ Das will der Markt hören, und es ist hier scheint’s auch wirklich so. 

Hinweis zur Innovationsfähigkeit technischer Betriebe geben meist die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, für F+E. Im deutschen Maschinenbau liegen sie im Schnitt bei 3 % vom Umsatz, sagt das Statistische Bundesamt. Bei Kurre sind es 10 %, wobei der Firmenchef unterstreicht, dass hierzu auch komplette Neuentwicklungen im Kundenauftrag zählen. Diese herausgerechnet seien es immer noch rund 5 % – und damit mehr als im Mittel der Branchen üblich. Bei der F+E arbeitet die Gruppe zusammen mit der RWTH Aachen sowie Universitäten und Fachhochschulen Emden, Bonn, Koblenz, Osnabrück, Siegen und der Jade-Hochschule Wilhelmshaven.

10 Umsatzprozent in die F+E 

Ergebnis ist zum Beispiel eine Entwicklung von Siebe Engineering: ein elektronisch geregelter Bypass für die Schaumextrusion, mit der sich der Anfahrschrott auf ein Minimum reduzieren lässt. So etwas muss einem erst‘mal einfallen. 

Entscheidend seien hier die Kreativität und das Know-how der Mitarbeiter, stellt Plaggenborg heraus. Diese seien so qualifiziert wie jung. Der Altersschnitt liegt bei 38 Jahren. Er selbst gehöre insoweit zu den Oldies. Ein Viertel der Mitarbeiter sind gelernte Ingenieure. 25 arbeiten in der Konstruktion. Die Fertigung managen zu 100 % Facharbeiter und Techniker. Kurre bildet aus in Lehrberufen wie der Mechatronik, Feinwerkmechanik, dem technischen Produktdesign und Metallbau. Derzeit sind es 30 Auszubildende. Das bedeutet: Knapp sieben bekommen jedes Jahr ihren Facharbeiterbrief. Die Fluktuation ist eher gering. Der erste – in der 1980er Jahren ausgebildete – Lehrling arbeitet nach wie vor im Werk Saterland.

Und die Gruppe expandiert weiter. Bislang scheint Plaggenborgs Ansatz zu greifen. Auf der Düsseldorfer Branchenschau „wire“ wird dies auch gerne demonstriert. So war die Gruppe 2018 umgezogen in Halle 10 auf einen größeren Stand mit 165 m² und mit 20er-Standbesetzung. Die 65 m² Ausstellungsfläche in Halle 9 sei zu klein und die fünf Berater dort zu wenige gewesen, um alle Anfragen zu bedienen. 

wire 2020, Halle 10 Stand B 22

Firmengruppe Kurre
Industriestraße 5 
26683 Saterland-Ramsloh
Ansprechpartner ist Stefan Plaggenborg
Tel.: + 49 4498 9250-0
info@kurre.net
www.kurre.net